Boteros Geschenk

Von Cornelia Schmid

Aus Kolumbien stammen einige prominente Menschen: Der Literatur-Nobelpreisträger Gabriel García Márquez, die Musikerin Shakira und der Fussballer Valderrama. Auf ganz besondere Weise sichtbar ist der aus Medellín stammende Maler und Bildhauer Fernando Botero – der bekannteste südamerikanische Künstler der Gegenwart. Er hat seiner Heimatstadt dreiundzwanzig Bronzeskulpturen vermacht. Sie stehen auf der Plaza Botero, im Herzen der Stadt. An seinen Kunstwerken kommt niemand vorbei.

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Vollschlank, pummelig, üppig oder fett. Wie auch immer die Skulpturen von Fernando Botero beschrieben werden, eines haben sie gemein – sie sind sinnlich.


Plump, chubby, voluptuous or fat. However Fernando Botero’s sculptures are described, they have one thing in common – they are sensual.

Vollschlank, pummelig, üppig oder fett. Wie auch immer die Skulpturen von Fernando Botero beschrieben werden, eines haben sie gemein – sie sind sinnlich. Unter den 23 Bronzeskulpturen auf der Plaza Botero gibt es dralle Frauen, Männer in Anzügen, einen Adam (Adán, 1990), eine Eva (Eve, 1990), ein Pferd (Caballo, 1992), einen Hund (Perro, 1991), eine Katze (Gato, 1993) und einen römischen Soldaten (Soldado Romano, 1986). Botero verschafft mit seiner Kunst dem Betrachter Genuss. In einem Interview, das Botero zu seinem achtzigsten Geburtstag gab, erklärte er: «Ich habe nie dicke Frauen gemalt. Ich gebe allem Volumen: einem Tier, einem Mann, einem Pferd, einer Landschaft, was es auch sei.»

Botero wird 1932 in Medellín geboren. Er wächst ohne Vater in bescheidenen Verhältnissen auf. Mit fünfzehn Jahren drängt ihn sein Onkel zu einer Ausbildung als Torero. Doch anstatt mit den Stieren zu kämpfen, zeichnet Botero die edlen Tiere. Er verlässt die Schule und arbeitet als Illustrator bei einer Zeitung. Die bildende Kunst fasziniert den Jugendlichen. Er geht nach Bogotá, wo er Anschluss an die künstlerische Avantgarde findet und die Maler der mexikanischen Revolution –­ etwa Diego Riviera und José Clemente Orozco – kennenlernt. Seine erster Europaaufenthalt von 1952 bis 1955 beeinflusst seine künstlerische Entwicklung. Nach dem Studium der spanischen Malerei im Madrider Prado, den Porträts von Diego Velázquez und Francisco Goya, begeistert er sich auf einer Reise durch Norditalien für die Malerei der Frührenaissance – besonders für deren Technik, Volumen, Farbe und Raum zu verbinden. Zurück in Mittelamerika lässt er sich in Mexiko nieder.

Boteros Formen sind ungewöhnlich und erzählen vom prallen Leben. Gekonnt spielt der Künstler mit Ironie und Humor. Seinen unverkennbaren Stil, den Boterismo, entsteht 1956 mit dem Stillleben einer Mandoline. «Als ich das Loch im Musikinstrument malte, sah ich, dass es sehr klein war und die Mandoline dadurch grösser wirkte. Da sagte ich mir: Hier ist etwas geschehen. Ich begann darüber nachzudenken.»

Neben der Malerei beginnt Botero ab den 1960er-Jahren plastische Werke zu schaffen. Seine finanzielle Situation erlaubt es ihm nicht, in Bronze zu arbeiten, so dass er mit Acrylmasse und Sägespänen experimentiert. 1973 verbessert sich seine Lage durch den Verkauf einiger Bilder. Bronze wird zu seinem Lieblingsmaterial und es entstehen die ersten Bronzeskulpturen.

Seine Serie Abu Ghraib ist als politische und gesellschaftliche Kritik zu verstehen. Die Folter durch amerikanische Truppen in einem Gefängnis während des Irakkriegs schockierten ihn. Seinen Zorn über die Ereignisse hat er in fünfzig Gemälden zum Ausdruck gebracht. Sie zeigen die typisch üppigen Charaktere als vermummte, nackte irakische Gefangene. Seine Darstellungen sind schonungslos.

| 1 | Mujer con fruta (Frau mit Frucht), 1996 | 2 | Mujer con espejo (Frau mit Spiegel), 1987 | 3 | Pensamiento (Gedanken), 1992 | 4 | Cabeza (Kopf), 1999 | 5 | Plaza Botero mit 23 Botero-Statuen | 6 | Rapto de Europa (Entrückung Europas), 1991

Botero’s Gift

Fernando Botero – the most famous South American artist of the present day – has donated twenty-three bronze sculptures to his hometown of Medellín. They stand in Plaza Botero, in the heart of the city. No one can get past his works of art. Botero was born in 1932 and grew up in modest circumstances. The visual arts fascinate the youngster. He goes to Bogotá, where he finds a connection to the artistic avant-garde. His first stay in Europe from 1952 to 1955 influences his artistic development. After studying Spanish painting at the Prado in Madrid, he became enthusiastic about early Renaissance painting during a trip through northern Italy. His signature style, Boterismo, emerges in 1956 with the still life of a mandolin. «When I painted the hole in the musical instrument, I saw that it was very small, making the mandolin look bigger. That’s when I said to myself, something has happened here. I started thinking about it.» In addition to painting, Botero began creating sculptural works in the 1960s. His Abu Ghraib series is to be understood as political and social criticism. The torture by American troops in a prison during the Iraq War shocked him. He expressed his anger at the events in fifty paintings. They depict typically voluptuous characters as hooded, naked Iraqi prisoners. His depictions are unsparing.

| 1 | Mujer con fruta (Woman with fruit), 1996 | 2 | Mujer con espejo (Woman with mirror), 1987 | 3 | Pensamiento (Thoughts), 1992 | 4 | Cabeza (Head), 1999 | 5 | Plaza Botero with 23 Botero statues | 6 | Rapto de Europa (Rapture of Europe), 1991
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Experience Botero

Boteros Bilder und Plastiken sind in Museen und auf öffentlichen Plätzen rund um die Welt zu sehen. An Auktionen erzielen seine Werke Rekordpreise. In Medellín trifft man auf der Plaza Botero, im Parque Berro und im Parque San Antonio auf seine Skulpturen und das Museo Botero in Bogotá beherbergt eine grosse Sammlung seiner Kunst.


Botero’s paintings and sculptures can be seen in museums and public places around the world. At auctions, his works fetch record prices. In Medellín, his sculptures can be seen in Plaza Botero, Parque Berro and Parque San Antonio, and the Museo Botero in Bogotá houses a large collection of his art.

Medellín
Museo de Antioquia
Carrera 52 #52-43,
El Centro, MedellÍn
www.museodeantioquia.co

Bogotá
Museo Botero
Carrera 11,#4-41, Bogotá
www.banrepcultural.org/museo-botero

| 1 | Mujer con fruta (Frau mit Frucht), 1996 | 2 | Mujer con espejo (Frau mit Spiegel), 1987 | 3 | Pensamiento (Gedanken), 1992 | 4 | Cabeza (Kopf), 1999 | 5 | Plaza Botero mit 23 Botero-Statuen | 6 | Rapto de Europa (Entrückung Europas), 1991

| 1 | Mujer con fruta (Woman with fruit), 1996 | 2 | Mujer con espejo (Woman with mirror), 1987 | 3 | Pensamiento (Thoughts), 1992 | 4 | Cabeza (Head), 1999 | 5 | Plaza Botero with 23 Botero statues | 6 | Rapto de Europa (Rapture of Europe), 1991
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