The great Escape

Von Cornelia Schmid

Früher war Tayrona Rebellengebiet und eine Basis für den Drogenschmuggel. Heute ist der Nationalpark ein Tourismus-Hotspot. Tayrona ist ein wilder Abschnitt der kolumbianischen Karibikküste mit dichtem Regenwald und goldgelben Stränden. In der Hochsaison wird der 1969 gegründete Nationalpark von Touristen überflutet. Deshalb ist die tägliche Besucherzahl auf 1500 beschränkt.

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Der Tayrona-Nationalpark bietet wilde Schönheit, kristallklares Wasser, und eine einzigartige Artenvielfalt.


Tayrona National Park offers wild beauty, crystal clear waters, and a unique biodiversity.

Früher war Tayrona eine Kampfzone der revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) und rechtsgerichteter paramilitärischer Gruppen. Beide nahmen das Territorium für sich in Anspruch. Die nahe venezolanischen Grenze eignete sich für die Kokainproduktion und als Basis für den Drogenschmuggel. Tayrona war ein gefährlicher Ort: Touristen, die sich in den Dschungel wagten, wurden oft entführt. Park-Direktoren, die sich der Forderung widersetzten, die Küste als Kokainumschlagplatz freizugeben, wurden bisweilen erschossen.

Nachdem die FARC 2016 das Friedensabkommen unterzeichnet hatte, begann die Regierung Tayrona als Tourismusdestination zu fördern. Der heutige Nationalpark erstreckt sich vom Küstengebirge Sierra Nevada de Santa Marta bis hinab zum Karibischen Meer. Bis in 5700 Meter Höhe erheben sind die beiden höchsten Gipfel in den kolumbianischen Anden. Einer von ihnen, der Pico Cristóbal Colón, ist ganzjährig schneebedeckt, obwohl der Berg nur zehn Grad nördlich des Äquators liegt. Unterhalb von 3000 Metern gibt es Siedlungen, wo Weizen und Kartoffeln angebaut werden und Rinder grasen. Unterhalb der Bergkette verlaufen palmengesäumte Strände. Den Zugang zu den Buchten versperren riesige Felsblöcke, die über Jahrhunderte von Wind und Wasser in ihre runde Form geschliffen wurden. Ich habe Tayrona als eine der wildesten und schönsten Ecken Südamerikas erlebt. Seine rund 12’000 Hektar Regenwald wurden 1997 zum UNESCO-Biosphären-reservat erklärt. Er gehört zu den biologisch vielfältigsten Küstengebieten Amerikas.

Der Ausgangspunkt für Tayrona ist Santa Marta, die älteste Stadt Kolumbiens. Sie wurde 1525 von den Spaniern gegründet. Seine Berühmtheit erlangte der Ort nur, weil der lateinamerikanische Befreier Simón Bolívar 1830 dort verstarb. Die Regierung spricht seit Jahren davon, Santa Marta in ein «neues Cartagena» zu verwandeln: Die hundertsiebzig Kilometer westlich von Santa Marta gelegene Kolonialstadt soll als Vorbild dienen. Davon ist aber nichts zu sehen. An den einst prächtigen Kolonialhäusern Santa Martas bröckelt der Putz und nachts blüht in den Seitenstrassen die Prostitution mit Frauen aus Venezuela. Sie hoffen vergeblich auf ein besseres Leben in Kolumbien.

Das Besucherzentrum des Tayrona-Nationsparks befindet sich an der Küstenstrasse, dreissig Kilometer nördlich von Santa Marta. Von dort fahren Shuttlebusse zum Parkeingang. Zu Fuss oder zu Pferd geht es über einen Dschungelpfad zur Arrecifes Beach. Mit etwas Glück sieht man in den dichten Mangrovenwäldern schwarzgesichtige, graumähnige Titis-Springaffen oder einige Vertreter der zweihundert heimischen Vogelarten. Der Boden scheint in Bewegung: Violette Krebse krabbeln in Erdlöcher, und Armeen beissender roter Ameisen tragen winzige grüne Stücke des Waldes in ihren Bau.

Der Weg wird flacher, bevor er wieder ansteigt, um schliesslich den Blick auf einen Hain mit Kokosnusspalmen und dahinter einen kilometerlangen, menschenleeren Strand freizugeben. Der Grund dafür wird allerdings klar, sobald man das Badeverbotsschild liest: Seit 1964 sind über 200 Menschen in der gefährlichen Strömung ertrunken.

Tayronas Badestrände liegen weiter westlich und sind nur zu Fuss erreichbar. Der Pfad führt durch den Regenwald über wacklige Holzbrücken und glitschige Steintreppen zu einem Aussichtspunkt. Dort gönnt man sich eine Wasserflasche aus den eisgekühlten Styroporboxen der Getränkeverkäufer. Nach einem steilen Abstieg ist man schliesslich am Ziel — am Strand von El Cabo San Juan del Guía.

Es gibt nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten im Nationalpark: In Arrecifes nächtigt man in einfachen Bungalows, am Cabo San Juan im Zelt oder in der Hängematte. Ohne Übernachtung ist die Wanderung zu den Badestränden eine schöne, wenngleich anstrengende Tagestour. Wer nicht denselben Weg zurückgehen will, wählt den steilen Weg von Cabo San Juan zum präkolumbianischen Dorf El Pueblito und von dort zurück zur Hauptstrasse nach Calabazo.

| 1 | Die exklusivste Übernachtungsmöglichkeiten im Nationalpark sind die Ecohabs in Cañaveral. Dort nächtigt man in luxuriösen Bungalows mit Aussicht aufs türkisblaue Wasser | 2 | Riesige Felsblöcke, die über Jahrhunderte von Wind und Wasser in ihre runde Form geschliffen wurden, versperren den Zugang zum Meer | 3 | Das Besucherzentrum des Tayrona-Nationsparks liegt an der Küstenstrasse, dreissig Kilometer nördlich von Santa Marta. Von dort fahren Shuttlebusse zum Parkeingang. Zu Fuss oder zu Pferd geht es über einen Dschungelpfad zur Arrecifes Beach | 4 | Es gibt nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten im Nationalpark: In Arrecifes nächtigt man in einfachen Bungalows, am Cabo San Juan im Zelt oder in der Hängematte | 5 | Tayronas Badestrände sind nur zu Fuss erreichbar. Einige schöne Abschnitte liegen bei den Hotels ausserhalb des Parks. Dort darf auch gefischt werden | 6 | Der Nationalpark erstreckt sich vom Küstengebirge Sierra Nevada de Santa Marta bis hinab zum Karibischen Meer. Bis in 5700 Meter Höhe erheben sind die beiden höchsten Gipfel in den kolumbianischen Anden

The great Escape

In the past, Tayrona was rebel territory and a base for drug smuggling. Today, the national park is a tourism hotspot. In high season, the national park, founded in 1969, is flooded with tourists. Therefore, the daily number of visitors is limited to 1500. The Tayrona National Park visitor center is located on the coastal road, thirty kilometers north of Santa Marta. On foot or on horseback, a jungle trail leads to Arrecifes Beach. If you are lucky, you will see black-faced, gray-maned titis jumping monkeys or some representatives of the two hundred native bird species in the dense mangrove forests. Tayrona’s swimming beaches are further west. The trail leads through the rainforest over rickety wooden bridges and slippery stone stairs to a lookout point. After a steep descent, you finally reach your destination – the beach of El Cabo San Juan del Guía. The hike to the bathing beaches is a beautiful, albeit strenuous, day hike without an overnight stay. If you don’t want to go back the same way, choose the steep path from Cabo San Juan to the pre-Columbian village El Pueblito and from there back to the main road to Calabazo.

| 1 | The most exclusive accommodation in the national park is the Ecohabs in Cañaveral, where you stay in luxurious bungalows with a turquoise water view | 2 | Huge boulders, which have been polished into their round shape by wind and water over centuries, block the bays' access | 3 | The Tayrona National Park visitor center is located on the coastal road, thirty kilometers north of Santa Marta. From there, shuttle buses run to the park entrance. On foot or on horseback, a jungle trail leads to Arrecifes Beach | 4 | There are only a few places to stay in the national park: In Arrecifes you can stay in simple bungalows, at Cabo San Juan in a tent or a hammock | 5 | Tayrona's beaches are only accessible on foot. Some beautiful stretches are located near the hotels outside the park. Fishing is also allowed there | 6 | The national park stretches from Sierra Nevada de Santa Marta's coastal mountains down to the Caribbean Sea. The two highest peaks in the Colombian Andes rise up to 5700 meters.
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Wild Beauty

Die Restaurants in Arrecifes und Cabo San Juan servieren Empanadas und Ceviche. Innerhalb des Nationalparks gibt es keine Geschäfte. Am besten bringt man Verpflegung und ausreichend Wasser mit.


The restaurants in Arrecifes and Cabo San Juan serve empanadas and ceviche. There are no stores inside the national park. It is best to bring food and plenty of water.

Parque Nacional Natural Tayrona
www.parquetayrona.com
Täglich/daily 8–17 Uhr
Im Februar geschlossen /closed in February

Ecohabs
www.ecohabsantamarta.com

Camp Grounds
Arrecifes, Cabo San Juan

Villa Maria Tayrona
www.kalihotels.com/villa-maria-tayrona

| 1 | Die exklusivste Übernachtungsmöglichkeiten im Nationalpark sind die Ecohabs in Cañaveral. Dort nächtigt man in luxuriösen Bungalows mit Aussicht aufs türkisblaue Wasser | 2 | Riesige Felsblöcke, die über Jahrhunderte von Wind und Wasser in ihre runde Form geschliffen wurden, versperren den Zugang zum Meer | 3 | Das Besucherzentrum des Tayrona-Nationsparks liegt an der Küstenstrasse, dreissig Kilometer nördlich von Santa Marta. Von dort fahren Shuttlebusse zum Parkeingang. Zu Fuss oder zu Pferd geht es über einen Dschungelpfad zur Arrecifes Beach | 4 | Es gibt nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten im Nationalpark: In Arrecifes nächtigt man in einfachen Bungalows, am Cabo San Juan im Zelt oder in der Hängematte | 5 | Tayronas Badestrände sind nur zu Fuss erreichbar. Einige schöne Abschnitte liegen bei den Hotels ausserhalb des Parks. Dort darf auch gefischt werden | 6 | Der Nationalpark erstreckt sich vom Küstengebirge Sierra Nevada de Santa Marta bis hinab zum Karibischen Meer. Bis in 5700 Meter Höhe erheben sind die beiden höchsten Gipfel in den kolumbianischen Anden

| 1 | The most exclusive accommodation in the national park is the Ecohabs in Cañaveral, where you stay in luxurious bungalows with a turquoise water view | 2 | Huge boulders, which have been polished into their round shape by wind and water over centuries, block the bays' access | 3 | The Tayrona National Park visitor center is located on the coastal road, thirty kilometers north of Santa Marta. From there, shuttle buses run to the park entrance. On foot or on horseback, a jungle trail leads to Arrecifes Beach | 4 | There are only a few places to stay in the national park: In Arrecifes you can stay in simple bungalows, at Cabo San Juan in a tent or a hammock | 5 | Tayrona's beaches are only accessible on foot. Some beautiful stretches are located near the hotels outside the park. Fishing is also allowed there | 6 | The national park stretches from Sierra Nevada de Santa Marta's coastal mountains down to the Caribbean Sea. The two highest peaks in the Colombian Andes rise up to 5700 meters.
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